hans wesker
klangräume
Klang 39 ...
Klanginstallation in den Städtischen Kunstsammlungen Salzgitter, Schloss Salder, 2012
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Fotos: H. Wesker
 
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Acht Terrakotta-Töpfe, acht Lautsprecher, Acrylglas, Gummiregenerat-Matten, 8-Kanal-Flashplayer, 8 Audioendstufen, Mehrkanal-Audio-Wave-Dateien, Dauer 20 Minuten im Loop
Foto: Lisa Schröder
Klang 39

... eine Aussage von Dirk Geffers, nachdem ich ein Tongefäß in meinem Atelier mit einem Klöppel anschlug. Ich hatte den Künstler eingeladen, um mit ihm über Möglichkeiten einer gemeinsamen Klanginstallation in ‚s Gespräch zu
kommen.

Bei meiner Mitarbeit im Kunstatelier Lebenshilfe Braunschweig hatte ich schon vielfach Gelegenheit zu beobachten, wie Dirk Geffers mit unermüdlichem Interesse Tontöpfe bemalte, wieder abschliff und neu bemalte, um so seiner Ahnung einer adäquaten Farbe näher zu kommen, die sowohl der Form, der Größe und auch dem Klang der Gefäße entsprechen sollte. Diese Sensibilität für farbliche und klangliche Phänomene war es auch, die mich anregte über das Projekt Dialoge mit Dirk Geffers als Dialogpartner nachzudenken. Die Dinge nicht nur in ihrer Funktionalität, sondern auch in ihrer Stofflichkeit, Farbigkeit und klanglichen Qualität zu sehen und zu hören, ist eine Fähigkeit, die es ermöglicht, die Dinge auch in andere, neue, überraschende und ungewohnte Zusammenhänge zu transponieren.

Dirk Geffers Liebe für Tontöpfe und deren Klangeigenschaften, weckte mein besonderes Interesse als Künstler, der sich seit längerem mit Klang und Raum beschäftigt und bereits Klangobjekte und Klanginstalltionen geschaffen hat, die ebenfalls dem Eigenklang von Dingen und deren Ausstrahlung als Körper nachgehen. Besondere Beachtung finden dabei häufig die Raum prägenden und formulierenden Qualitäten von Klang.

Klang 39 ... als Aussage zu einem Klang ließ vermuten, dass es noch weitere Zahlenverknüpfungen geben müsste und die Nachfrage führte zur Erklärung, „... ich habe da mal eine Zahlenreihe entwickelt, auf der ich die Klänge angeordnet habe. Ton 1 ist etwa so - psssh..., Ton 2 so - pssshh..., Ton 3 so - psshshsh..., Ton 4 so - psshhhshh... Dirk Geffers ahmt hier Sinustöne im oberen Frequenzspektrum nach, die im Grenzbereich des menschlichen Hörvermögens für hohe Töne liegen.

Diese Faszination für Tongefäße, Klänge, Farben und adäquate Zahlen, wurde zum Ausgangspunkt der Überlegung, Tongefäße anzuschlagen, ihren Klang aufzuzeichnen und in einer begehbaren Klanginstallation jedes Gefäß mit dem eigenen Ton hörbar zu machen. Dabei sollten auch die Gespräche, Assoziationen und Zahlenverknüpfungen von Dirk Geffers integriert werden. Neben der systematischen Einordnung von Klängen auf einer Zahlenskala, bei der auch Zwischentöne, also 39 ½ oder 39 ¾, als im 40sten Tonfall benannt wurden, werden den Tönen die Farben in der Anordnung des Ittenschen Farbkreises zugeordnet, wobei auch hier die Übergänge fließend sind, jede Farbschattierung einer Nuance im Klang entspricht.

All diese benennbaren Klang- und Farbschattierungen werden gleichzeitig mit den Lichtstimmungen des Tagesverlaufes verknüpft: ”... das ist Ton 39, der Klang der Abenddämmerung, also schon im 40 Tonfall, im 40sten Klangfall, ein rötliches Orange, schon mehr zum Karminrot ...“ Solche, nicht endenden Assoziationen und Verknüpfungen machen die Wahrnehmungsintensitiät von Dirk Geffers deutlich.

Die Arbeit mit dem Klang- und Sprachmaterial in dieser 8 Kanal Audioinstallation führte nach und nach zu einem ruhigen Fluss aus Klängen die im Wesentlichen auf den Grundtönen D und G basieren. Der Umfang der Tonhöhenverschiebung umfasst dabei 4 Oktaven, die dem Obertonspektrum der Tongefäße nachgehen. Dirk Geffers entdeckte, dass einzelne Tongefäße zwei Töne in sich vereinen, so zum Beispiel das Gefäß mit dem Ton 34 enthält auch den Ton 31.
Die Bearbeitung und Integration der aufgezeichneten Klänge führte nach und nach zu klanglicher Verdichtung des Audiomaterials, die einem gleichmäßigen Rhythmus folgend sich sowohl dem Sprachklang von Dirk Geffers annäherte, als auch seinem Sprach- und Aktivitätsrhythmus, der sich nach und nach als ein gemeinsamer Rythmus herausstellte.

Hans Wesker, März 2012