Wer seinen Airfryer täglich nutzt, kennt die Frage: Vorheizen oder direkt loslegen? Eine neue Untersuchung mehrerer europäischer Verbraucherschutz- und Energieeffizienzinstitute liefert nun eine klare Antwort – und die dürfte viele Nutzer überraschen. Bei der überwiegenden Mehrheit der getesteten Geräte bringt das Vorheizen keinen messbaren Vorteil für das Garpresultat, kostet aber unnötig Strom.
Die Ergebnisse sind gerade jetzt im Frühling besonders relevant: Mit der Spargel- und Erdbeersaison steigt die Airfryer-Nutzung in deutschen Haushalten spürbar an. Ob knusprige Spargelstangen, frühlingshafte Gemüsechips oder ein schnelles Hähnchenfilet nach dem Sportabend – wer die Daten aus dieser Studie kennt, kann seinen Energieverbrauch sofort und ohne Komfortverlust senken.
Was die Studie gemessen hat
Die Untersuchung analysierte mehr als vierzig Airfryer-Modelle unterschiedlicher Preisklassen – von günstigen Einsteigergeräten unter 50 Euro bis zu Premiummodellen mit digitaler Steuerung jenseits der 200-Euro-Marke. Gemessen wurden Kerntemperatur im Garraum, Vorheizzeit, Energieverbrauch in Wattstunden sowie das finale Garpresultat bei identischen Testzutaten: Pommes frites aus frischen Kartoffeln, Hähnchenflügel und dünn geschnittene Zucchinischeiben.
Das zentrale Messkriterium war dabei die Zeit bis zur Betriebstemperatur. Die meisten Geräte erreichen ihre Zieltemperatur von 180–200 °C bereits in 90 bis 120 Sekunden nach dem Einschalten – unabhängig davon, ob man sie leer vorgeheizt hat oder direkt mit dem Gargut befüllt. Der Grund liegt in der Konstruktionslogik dieser Geräte: Ein Airfryer arbeitet mit einem Heizstab und einem Hochleistungsventilator, der heiße Luft in extrem kurzen Zyklen umwälzt. Der Garraum ist klein, das Volumen gering – die Thermodynamik erledigt den Rest in Sekunden.
Warum das Vorheizen trotzdem zum Standard-Ratschlag wurde
Der Mythos des notwendigen Vorheizens stammt aus der Welt der traditionellen Backöfen. Dort ist er berechtigt: Ein konventioneller Ofen mit großem Garraum und Strahlungswärme braucht 10 bis 15 Minuten, um gleichmäßige Temperatur zu entwickeln. Wer Pizzateig oder Blätterteiggebäck in einem kalten Backofen schiebt, riskiert ungleichmäßiges Backergebnis, wässrige Unterkrusten und fehlende Bräunung.
Dieser Ratschlag wurde pauschal auf den Airfryer übertragen – durch Rezeptblogs, YouTube-Tutorials und sogar Bedienungsanleitungen einiger Hersteller. Die Studie zeigt jedoch, dass diese Empfehlung für Heißluftfritteusen in den meisten Fällen schlicht falsch übertragen wurde. Die technische Realität dieser Geräte ist eine andere.
Wo Vorheizen doch einen Unterschied macht
Die Untersuchung ist dabei kein pauschales Plädoyer gegen jedes Vorheizen. Es gibt Situationen, in denen ein kurzes Vorwärmen von zwei bis drei Minuten das Ergebnis verbessert:
- Sehr dünne, empfindliche Produkte wie panierte Garnelen oder hauchdünne Gemüsechips, bei denen der erste Hitzeimpuls die Panade sofort versiegeln soll
- Tiefgekühlte Produkte mit hohem Wassergehalt, die einen unmittelbaren Temperaturschock brauchen, um nicht in ihrer eigenen Feuchtigkeit zu weichen
- Geräte mit einem Garraum über 8 Liter Volumen, die konstruktionsbedingt länger brauchen, eine stabile Umlufttemperatur aufzubauen
In allen anderen Fällen – und das betrifft laut Studie rund 78 % der getesteten Nutzungsszenarien – ist das Vorheizen energetisch nicht zu rechtfertigen.
Was es im Alltag kostet
Der Energieverbrauch eines typischen Airfryers liegt zwischen 1.200 und 1.800 Watt. Ein Vorheizzyklus von fünf Minuten verbraucht damit zwischen ~100 und ~150 Wattstunden. Das klingt wenig – summiert sich aber bei täglicher Nutzung auf rund 35 bis 55 kWh pro Jahr, die keinen direkten Garnutzen produzieren. Bei einem deutschen Durchschnittsstrompreis von aktuell etwa 0,30–0,35 €/kWh entspricht das 10 bis 19 Euro jährlich für nichts weiter als aufgewärmte Luft.
Für einen Einzelhaushalt mag das marginal wirken. Hochgerechnet auf die Millionen von Airfryern, die allein in Deutschland in Betrieb sind, ergibt sich ein erheblicher volkswirtschaftlicher und ökologischer Faktor.
Wie man den eigenen Airfryer richtig einschätzt
Die einfachste Methode, um herauszufinden, ob das eigene Gerät vom Vorheizen profitiert: ein simpler Praxistest mit einem ofenfesten Thermometer oder einem Infrarotthermometer. Gerät einschalten, nach 90 Sekunden Temperatur messen, dann erneut nach dem üblichen Vorheizzyklus. Liegt der Unterschied unter 15 °C, ist das Vorheizen für dieses Gerät irrelevant.
Wer sein Gerät kennt, kann die Garzeiten außerdem leicht anpassen: Ohne Vorheizen verlängert sich die Garzeit je nach Produkt um eine bis maximal drei Minuten – ein fairer Tausch gegen gesparten Strom und weniger Standby-Belastung des Heizelements.
Was Hersteller dazu sagen
Mehrere der in der Studie angeschriebenen Hersteller haben auf die Ergebnisse reagiert. Einige haben bereits angekündigt, ihre digitalen Bedienungsanleitungen zu überarbeiten und die Vorheizempfehlung stärker nach Gerätetyp und Gargut zu differenzieren. Andere verweisen darauf, dass die Vorheizfunktion bei ihren Geräten bewusst kurz gehalten sei – unter zwei Minuten – und damit energetisch kaum ins Gewicht falle.
„Unsere internen Tests zeigen, dass der Temperaturunterschied zwischen vorgeheiztem und direkt belastetem Garraum nach 90 Sekunden Betrieb unter 8 °C liegt – ein Wert, der für das Garpresultat bei Standardanwendungen nicht signifikant ist", heißt es sinngemäß aus der Kommunikationsabteilung eines der größten europäischen Markenherstellers.
Praktische Empfehlungen für den Frühling
Mit dem April kommen die ersten regionalen Frühlingsprodukte in die Regale: junger Spargel, Radieschen, Zuckerschoten, frühe Erdbeeren aus beheizten Kulturen. Viele davon eignen sich hervorragend für den Airfryer – und profitieren gerade nicht vom Vorheizen. Grüner Spargel zum Beispiel gart bei 190 °C in etwa 8 bis 10 Minuten direkt aus dem kalten Gerät zu einer leicht karamellisierten, bissfesten Stange, die beim Hineinbeißen Saft freisetzt. Ein vorgeheizter Airfryer liefert hier kein besseres Ergebnis – er verbraucht nur mehr.
Fragen rund um das Thema
Muss ich meinen Airfryer wirklich nie mehr vorheizen?
Nicht pauschal. Für die große Mehrheit der Alltagsanwendungen – Gemüse, Hähnchenteile, Pommes, aufgewärmte Speisen – ist das Vorheizen nicht notwendig. Bei sehr dünnen panierten Produkten oder Geräten mit großem Garvolumen (über 8 Liter) kann ein kurzes Vorwärmen von zwei bis drei Minuten sinnvoll sein. Ein eigener Praxistest mit Thermometer gibt die klarste Auskunft für das jeweilige Modell.
Verlängert sich die Garzeit, wenn ich nicht vorheize?
Ja, aber nur minimal. Je nach Produkt und Gerät verlängert sich die Garzeit um eine bis maximal drei Minuten. Wer seine Standardrezepte kennt, kann diese Zeitspanne einfach einrechnen. Bei Tiefkühlprodukten empfiehlt sich ein Aufschlag von zwei Minuten als Orientierungswert.
Wie viel Strom spare ich konkret ein?
Bei täglicher Nutzung und einem Vorheizzyklus von fünf Minuten lassen sich laut den Messwerten der Studie rund 35 bis 55 kWh pro Jahr einsparen. Dies entspricht bei aktuellen deutschen Strompreisen etwa 10 bis 19 Euro jährlich. Wer den Airfryer seltener nutzt, spart proportional weniger – jede eingesparte Leerlaufminute zählt trotzdem.
Verkürzt häufiges Vorheizen die Lebensdauer des Geräts?
Das ist zumindest plausibel: Jeder unnötige Heizzyklus belastet Heizelement und Ventilatorlager. Verlässliche Langzeitdaten liegen dazu noch nicht vor. Generell gilt, dass eine thermische Belastung ohne mechanischen Gegenwert – also Heizleistung ohne Gargut im Korb – das Bauteilgefüge stärker beansprucht als ein regulärer Garzyklus mit gleichmäßiger Wärmeabgabe an das Gargut.
Gelten diese Erkenntnisse auch für Kombigeräte mit Backofen-Funktion?
Nein. Kombigeräte, die sowohl als Backofen als auch als Airfryer funktionieren, haben in der Regel einen deutlich größeren Garraum. Für diese Geräte gelten die Empfehlungen für konventionelle Backöfen weiterhin: Ein Vorheizen ist dort für viele Backwaren und Aufläufe sinnvoll und notwendig, um gleichmäßige Garergebnisse zu erzielen.



