Tim Mälzer verrät bei Kitchen Impossible, warum er Spargel nie in Wasser kocht

Anfang April beginnt in Deutschland die schönste Zeit des Jahres für alle, die guten Geschmack schätzen: Die Spargelsaison ist da. Weiße Stangen aus dem Beelitzer Sand, grüner Spargel vom Wochenmarkt, der erste Bissen mit frischer Butter — kein anderes Gemüse wird hierzulande mit so viel Leidenschaft erwartet. Und kaum jemand polarisiert in der Küche so sehr wie Tim Mälzer, wenn er beim Anblick eines dampfenden Spargeltopfs die Augen verdreht. Denn für den Hamburger Koch ist das Kochen in Wasser schlicht Verschwendung — und das hat er in der ZDF-Sendung Kitchen Impossible endlich laut ausgesprochen.

Was Mälzer in der Sendung verrät, klingt zunächst provokant, ergibt bei näherer Betrachtung aber perfekten Sinn. Es geht nicht um Rebellion um der Rebellion willen, sondern um eine Technik, die das Beste aus einem Produkt herausholt, das ohnehin nur wenige Wochen im Jahr zur Verfügung steht. Wer versteht, warum klassisches Spargelkochen dem Gemüse schadet, wird seine Frühlingsküche grundlegend überdenken.

Was tim mälzer bei kitchen impossible gesagt hat

In der aktuellen Staffel von Kitchen Impossible sprach Mälzer über seine persönliche Philosophie beim Umgang mit Spargel — und warum er diese Methode seit Jahren aus seiner Küche verbannt hat. Der Kern seiner Aussage: Wasser entzieht dem Spargel Aroma. Die flüchtigen Geschmacksstoffe, die einen frisch gestochenen weißen Spargel überhaupt erst zu einem außergewöhnlichen Produkt machen, lösen sich beim langen Garen im Kochwasser. Was dann auf dem Teller landet, ist zwar gar — aber ein blasser Schatten seiner selbst.

Das ist keine neue Erkenntnis der Spitzenküche, aber sie ist im Alltag noch immer wenig angekommen. Der klassische Spargeltopf, oft mit einem großzügigen Schuss Wasser, einem Stück Butter, einer Prise Zucker und etwas Salz, gilt in deutschen Küchen als Tradition. Mälzer stellt nicht die Tradition infrage, sondern die Bequemlichkeit, die hinter ihr steckt.

Die Methode: Spargel im eigenen Saft garen

Was Mälzer stattdessen empfiehlt, ist das Dämpfen oder das Garen im eigenen Saft — auf Wunsch ergänzt durch etwas Butter, einen Schluck Weißwein oder frische Kräuter, aber ohne das Gemüse in Wasser zu tauchen. Die Technik funktioniert sowohl im Ofen als auch in der Pfanne und in einem gut verschlossenen Topf mit sehr wenig Flüssigkeit.

Konkret sieht das so aus: Die geschälten Spargelstangen werden nebeneinander in eine tiefe Pfanne oder einen weiten Schmortopf gelegt. Dazu kommen ein gutes Stück Butter, kein Wasser, aber optional ein Esslöffel trockener Riesling oder etwas Gemüsefond. Der Deckel kommt drauf, die Hitze bleibt moderat. Der Spargel gart dann in seinem eigenen Dampf und der Butter, bis die Stangen bissfest, aber nicht weich sind. Das Ergebnis: intensiveres Spargelaroma, eine leicht nussige Note durch die Butter, und eine Textur, die den natürlichen Biss des Gemüses bewahrt.

Im Ofen funktioniert dasselbe Prinzip mit einem Päckchen aus Backpapier oder Alufolie — dem sogenannten en papillote. Die Stangen werden eingewickelt, die Flüssigkeit bleibt komplett im Päckchen, kein Aromaverlust, kein Überkochen.

Warum Wasser dem Spargel schadet

Spargel besteht zu mehr als neunzig Prozent aus Wasser. Was ihm seinen unverwechselbaren Geschmack gibt, sind die wenigen, aber komplexen Aromaverbindungen und natürlichen Zuckerstoffe, die in seinem Gewebe gespeichert sind. Gibt man ihn in kochendes Salzwasser, beginnen diese Verbindungen sich sofort ins Kochwasser zu lösen — ein Prozess, der sich mit jeder Minute Garzeit verstärkt.

Das erklärt auch, warum selbst gemachtes Spargelkochwasser nach Spargel riecht: Das Aroma ist nicht weg, es ist einfach nicht mehr im Gemüse. Wer das Kochwasser anschließend für eine Suppe verwendet, rettet zumindest einen Teil davon. Wer es wegschüttet, verliert alles.

Mälzers Punkt ist also technisch klar nachvollziehbar. Das Dämpfen und Garen ohne Wasser hält die Aromaverbindungen dort, wo sie hingehören — im Spargel selbst.

Welche Methoden wirklich funktionieren

Neben dem Garen im eigenen Saft gibt es weitere Techniken, die Mälzer und andere Köche seit Jahren bevorzugen:

  • Pfanne mit Butter: Spargelstangen direkt in schäumender Butter bei mittlerer Hitze anziehen lassen, Deckel drauf, fertig garen. Karamellisierung an den Schnittflächen sorgt für Tiefe.
  • Ofen en papillote: Im Päckchen bei 200 °C etwa 18–22 Minuten, je nach Dicke der Stangen.
  • Dampfgarer: Wer einen besitzt, gart Spargel bei 100 °C Dampf in rund 10–14 Minuten — minimaler Aromaverlust, maximale Kontrolle.
  • Grillen: Für grünen Spargel besonders geeignet. Bei direkter Hitze entstehen Röstaromen, die mit weißem Spargel schwerer zu erzielen sind.

Was das für den Alltag bedeutet

Kitchen Impossible ist eine Sendung über handwerkliche Perfektion und den Respekt vor dem Produkt. Was Mälzer dort artikuliert, ist kein Küchentrend, sondern das Handwerkszeug der professionellen Küche — nur eben für zu Hause übersetzt. Wer Spargel für drei bis sechs Euro das Pfund kauft und anschließend einen Großteil seines Geschmacks in einem Topf Wasser verliert, tut weder dem Gemüse noch dem eigenen Geldbeutel einen Gefallen.

Der Spargel, den Mälzer meint, wird nicht anders aussehen als der aus dem Kochwasser. Aber er wird anders schmecken — konzentrierter, mineralischer, mit einer Süße, die man bei der Wasservariante kaum wahrnimmt. Das ist der Unterschied zwischen einem Gemüse, das man gart, und einem Gemüse, das man kocht.

Kitchen impossible als plattform für küchenpraxis

Kitchen Impossible ist seit Jahren mehr als nur Unterhaltung. Das Format, in dem Mälzer gegen andere Köche antritt und fremde Signature Dishes nachkochen muss, hat eine Funktion entwickelt, die weit über die Wettkampfdynamik hinausgeht: Es macht sichtbar, wie professionelle Köche denken — warum sie Entscheidungen treffen, die dem Laienpublikum zunächst unlogisch erscheinen.

Die Aussage zum Spargel ist ein gutes Beispiel dafür. Sie ist nicht spektakulär im Sinne eines neuen Rezepts oder einer ausgefallenen Zutat. Sie ist spektakulär, weil sie eine gelernte Gewohnheit von Millionen Deutschen infrage stellt — freundlich, nachvollziehbar und mit dem Wissen im Rücken, das man sich in zwanzig Jahren Profiküche erarbeitet.

Frühling auf dem Teller: was jetzt zählt

Anfang April ist die Spargelsaison gerade in ihren ersten Wochen. Die Stangen sind noch fest, das Wetter noch kühl genug, damit sie langsam wachsen und dabei ihre Inhaltsstoffe konzentrieren. Es ist die beste Zeit des Jahres, um mit der Technik zu experimentieren, die Mälzer empfiehlt — nicht aus Prinzip, sondern weil das Produkt gerade auf dem Höhepunkt seiner Qualität ist.

Wer jetzt auf den Wochenmarkt geht, findet neben weißem Spargel auch den ersten grünen, oft sogar violetten Spargel aus dem Elsass oder aus Südtirol. Alle drei Sorten profitieren vom aromaschonendem Garen. Und alle drei werden auf dem Teller zeigen, was in ihnen steckt — wenn man ihnen die Chance lässt.

Fragen rund um tim mälzers spargel-methode

Kann man weißen Spargel wirklich nie in Wasser kochen?

Mälzer sagt „nie" — das ist bewusste Zuspitzung für eine Sendung, die von Leidenschaft lebt. Technisch gesehen verliert Spargel beim Kochen in Wasser tatsächlich messbar an Aroma. Wer gelegentlich zur Wassermethode greift, kocht deshalb nicht falsch, aber wer den Unterschied einmal bewusst schmeckt, wird kaum zurückwollen. Für besonders hochwertigen Spargel — etwa frisch gestochene Beelitzer Ware — lohnt sich die schonendere Methode in jedem Fall.

Wie lange dauert das Garen im Buttertopf?

Je nach Dicke der Stangen und der verwendeten Hitzequelle dauert es zwischen 12 und 20 Minuten bei moderater bis mittlerer Hitze mit geschlossenem Deckel. Dünnere Stangen (unter 1,5 cm Durchmesser) sind schneller gar. Der Gartest funktioniert wie immer: Ein Messer sollte mit leichtem Widerstand durch die dickste Stelle gleiten, ohne dass die Stange dabei durchbiegt.

Was ist mit dem Spargelwasser, das man aus der alten Methode kennt — kann man darauf verzichten?

Spargelkochwasser enthält tatsächlich Aromastoffe und Nährstoffe, die aus dem Gemüse ausgetreten sind. Viele Köche verwenden es als Basis für Spargelsuppen oder -saucen. Wer auf das Kochen in Wasser ganz verzichtet, hat diesen Fond nicht zur Verfügung — dafür sitzt das Aroma im Gemüse selbst. Als Ersatz für Suppen oder Saucen eignet sich ein leichter selbst gemachter Gemüsefond oder die beim Buttergaren entstehenden Röststoffe, die direkt in der Pfanne mit etwas Weißwein abgelöscht werden können.

Funktioniert die Methode auch für grünen Spargel?

Grüner Spargel profitiert sogar noch stärker von aromaschonendem Garen, weil er von Natur aus intensiver schmeckt und weniger Zeit braucht. In der Pfanne mit etwas Olivenöl oder Butter, bei mittlerer bis starker Hitze und ohne Deckel, gart grüner Spargel in 5 bis 8 Minuten. Er verträgt dabei auch direkten Kontakt mit der heißen Oberfläche und entwickelt leichte Röstaromen, die ihn von der Wasservariante geschmacklich weit entfernen.

Hat tim mälzer bei kitchen impossible auch ein konkretes Rezept gezeigt?

In der Sendung steht die Wettkampfsituation im Vordergrund, nicht das Schritt-für-Schritt-Tutorial. Mälzers Aussage zum Spargelkochen fiel im Kontext einer breiteren Diskussion über Produktrespekt und Gartechnik. Konkrete Rezepte veröffentlicht er regelmäßig in seinen Büchern sowie über die Sendung Tim Mälzer kocht! im NDR Fernsehen, wo er Techniken ausführlicher erläutert.